Ein Atomkrieg oder thermonuklearer Krieg ist ein Krieg, der mit Kernwaffen geführt wird. Ein einfacher Satz aus Wörtern, der es aber in sich hat.
Im Sommer 2022 warnte UN-Generalsekretär Gutierrez in der Sitzung zur Überprüfung des von den USA, der Sowjetunion und Großbritannien am 1. Juli 1968 unterzeichneten Atomwaffensperrvertrages: „Die Menschheit ist nur ein Missverständnis, eine Fehlkalkulation von ihrer nuklearen Auslöschung entfernt.“1
Wir können doch nicht wie die Lemminge in unsere eigene Vernichtung spazieren; wir müssen gemeinsam dagegen vorgehen. Hierzu gibt es keine Alternative, auch nicht die für Deutschland.
Was passiert bei einer Atombombenexplosion?4
Im Moment der Zündung einer Atombombe entstehen im Zentrum der Explosion Temperaturen von mehreren Millionen Grad und ein gigantischer Druck von mehreren Billionen Pascal. Rund 50 Prozent der Energie wird in Form einer Druckwelle freigesetzt, mehr als ein Drittel in Form von Hitze und 10 Prozent als Falloutstrahlung. Rund 5 Prozent der Energie wird als Sofortstrahlung abgegeben. Im ersten Moment wird ein extrem heller Lichtblitz erzeugt, der Menschen auch in weiter Entfernung erblinden lassen kann. Im direkten Umfeld der Explosion wird alles verdampft. In einem weiteren Umkreis geraten brennbare Gegenstände und Stoffe in Brand und Menschen erleiden schwerste Verbrennungen durch die Hitze.
Die Explosionskraft ist gewaltig, da die Hälfte der Energie als Druckwelle abgegeben wird. Diese verursacht den größten Verlust an Menschenleben in direkter Folge der Explosion. Schäden werden durch den extremen Luftüberdruck an der Vorderseite der Druckwelle erzeugt, die sich in alle Richtungen ausbreitet. Menschen sterben direkt am Überdruck oder an Auswirkungen wie umherfliegenden Trümmern und einstürzenden Gebäuden.
Nur ein geringer Teil der Menschen stirbt an der Sofortstrahlung, da diese nur kurz wirkt und in einem begrenzten Radius. In diesem Umkreis sterben die Menschen vor allem durch die Druckwelle. Die ionisierende Strahlung, die später als eine Minute nach der Explosion emittiert wird, heißt Reststrahlung. Ihr größter Teil ist der sogenannte Fallout. Zusätzlich zu dem Fallout gibt es eine gewisse Reststrahlung in der Nähe des Explosionsherdes, die durch Aktivierung von Neutronen entsteht.
In einer Studie aus dem Jahr 2020 hat die Umweltorganisation Greenpeace errechnen lassen, was passieren würde, wenn Deutschland das Ziel eines atomaren Angriffs werden würde. Als Beispiele wurden etwa Berlin und Frankfurt genommen, um eine Abschätzung über die Folgen zu liefern. Diese sind nur sehr ungefähr, bieten aber eine grobe Einschätzung zur Größenordnung der Auswirkungen eines solchen Vorfalls.
In der Studie wurde angenommen, dass eine 20-Kilotonnen-Bombe direkt vor dem Reichstagsgebäude in Berlin explodiert. In einem Radius von 260 Meter würde alles verdampfen. Hiervon wären um die 1000 Menschen direkt betroffen. In einem Radius von 590 Metern würden Gebäude schwer beschädigt und beinahe alle Menschen, rund 4500, würden sterben. In weiterer Entfernung zum Explosionsort bis etwa 1,4 Kilometern würden Menschen im Freien eine tödliche Strahlendosis abbekommen, auch Druckwelle und Hitze wären hier für viele Todesfälle verantwortlich. Die Schätzungen gehen von rund 20.000 Toten aus. In einem weiteren Radius bis etwa 2 Kilometer würden Menschen schwere Verbrennungen erleiden, rund 50.000 Menschen wären betroffen. Insgesamt geht die Modellrechnung für den beschriebenen Fall von rund 27.000 Toten und über 70.000 Verletzten aus, in direkter Folge der Explosion.
Die Friedensbewegung ist, zumal in Kriegszeiten, unverzichtbar.
Berta von Suttner, die u.a. mit ihrem Roman „Die Waffen nieder!“ das Rad des Krieges aufhalten wollte, starb wenige Wochen vor dem Beginn des 1. Weltkrieges. Die Friedenskräfte ihrer Zeit hatten diese Ur-Katastrophe des letzten Jahrhunderts nicht verhindern können. Es folgte der erste teils industriell ausgefochtene Weltkrieg, nach dessen Ende Kurt Tucholsky vor der dann folgenden Jahrhundertkatastrophe warnte: „Ich halte im Übrigen dieses Wettrüsten für Wahnwitz – es muss zum Kriege führen, und es ist gar kein Mittel […] ihn zu verhindern.“3 Die Weltlage, an der sich die Menschheit heute, fast ein Jahrhundert später, befindet, macht die Aktualität seiner damaligen Worte eindrücklich sichtbar.
Anmerkungen und Quellen
1 UN chief warns world is one step from `nuclear annihilation’
2 Kurt Tucholsky: „Krieg dem Kriege“ – erschienen in: Ulk, Jg. 48,
Nr. 24 vom 13. Juni 1919, S. 2
„Krieg gleich Mord“ – auf diese einfache Formel brachte Kurt Tucholsky den Wahnwitz dessen, was in russischen Medien nur in zynischen Euphemismen benannt werden darf und doch nichts anderes ist als ein Krieg. Aus: Kurt Tucholsky als Ignaz Wrobel: Krieg gleich Mord, erschienen in: Die Weltbühne, 19.04.1932, Nr. 16, S. 588.
3 Daher muss uns die nun einsetzende Aufrüstung beunruhigen. Bereits vor 90 Jahren war bekannt, wohin dies führen muss: „Ich halte im Übrigen dieses Wettrüsten für Wahnwitz – es muss zum Kriege führen, und es ist gar kein Mittel […] ihn zu verhindern.“ (Kurt Tucholsky, 1935) und auch diese Lektion hat uns das 20. Jahrhundert gelehrt. Das jetzt zu vergessen und ein neues Wettrüsten zu befeuern, würde in die Katastrophe führen – was angesichts des heutigen Waffenarsenals die Auslöschung der menschlichen Zivilisation bedeuten könnte.
„Boykott. Blockade. Innere Einmischung in diese Barbarei, ohne Krieg zu führen.“ empfahl Kurt Tucholsky 1935 und in diesem Sinne sind die ersten Sanktionen der Weltgesellschaft gegen den Aggressor zu begrüßen. Dass Putin zur Einsicht kommen wird, dafür gibt es derzeit keine Anzeichen. Und so bleibt nur mit den Worten aus Tucholskys vielleicht bekanntestem Anti-Kriegsgedicht an die Ausführenden selbst zu appellieren:
„Werft die Fahnen fort!
Die Militärkapellen spielen auf zu euerm Todestanz.
Seid ihr hin: ein Kranz von Immortellen –
das ist dann der Dank des Vaterlands.
Denkt an Todesröcheln und Gestöhne.
Drüben stehen Väter, Mütter, Söhne,
schuften schwer, wie ihr, ums bisschen Leben.
Wollt ihr denen nicht die Hände geben?
Reicht die Bruderhand als schönste aller Gaben
übern Graben, Leute, übern Graben -!“ [4] aus: Kurt Tucholsky als Theobald Tiger: Der Graben, erschienen in: Das Andere Deutschland, 20.11.1926
4 Greenpeace: Antworten auf häufig gestellte Fragen
https://www.greenpeace.de/frieden/was-bewirkt-atombombe
Nato-Bündnis: Wie ist das erste internationale Bündnis entstanden? siehe hierzu den Beitrag: https://heinzelweb.eu/nato-buendnis